Schrecken und Lust

Ausstellung im Bucerius-Kunstforum

vom 9. Februar 2008 - 18. Mai 2008

Öffnungszeiten

Das Bucerius-Kunstforum hat keine eigene Sammlung, sondern zeigt nur und ausschließlich Sonderausstellungen zu speziellen Themen, zu denen auch Fremdkuratoren eingeladen werden, Leihgaben aus anderen Museen und Ausstellungsstätten zusammenzustellen. Insgesamt sind es jährlich vier Ausstellungen. Das Bucerius-Kunstforum ist darum nicht immer offen, aber wenn eine Ausstellung gezeigt wird, ist es täglich bis 19:00 geöffnet. Statt montags zu schließen, gibt es für alle Besucher einen vergünstigten Sonderpreis.


Leitsystem

Man kommt hinein und ist gleich mittendrin. Das Bucerius-Kunstforum ist so klein und übersichtlich, daß keine Zweifel über das Woher und Wohin aufkommen. Toiletten und Cafeterie sind ausgeschildert und auch für Gehbehinderte und Rollstuhlfahrer sicher zu erreichen. Der Besucherandrang war nicht so groß, daß die Verteilung der Besucher ein Problem gewesen wäre.


Präsentation

Obgleich die Ausstellungsfläche nicht eben groß ist. präsentieren sich die Ausstellungsstücke in luftiger Anordnung. Es besteht genügend bstand voneinander. Das ist bei den Wimmelbilderb mit der Unzahl von Details nicht unwichtig. Die Zuschauer gehen nämlich an den Bildern nicht in angemessenem Abstand vorbei, sondern erliegen für gewöhnlich der Versuchung, die Dastellungen mit ihren vielen Details, Symbolen und Anspielungen zu erforschen.
Die Beleuchtung ist in gut: keine Blendungen, keine Reflexionen. Die "Abstandshalter" bei einigen Exponaten sind unaufdringlich und lassen den Besucher so weit heran, daß er noch etwas erkennen kann. Leider sind die Erläuterungen zu den Ausstellungsstücken nur zu lesen, wenn man den bekannten "Diener" macht. Bei der vorherigen Ausstellung: Malerei für die Ewigkeit waren die Schilder lesefreundlich geneigt.


Komfort

Sitzmöglichkeiten sind ausreichend in guter Sichtentfernung auf die Ausstellungsstücke vorhanden, dank der Klappstühle kann man darüber hinaus sitzen, wo man will, eine Caferia ist vorhanden und kann, ohne die Ausstellung zu verlassen, aufgesucht werden. Nette Idee: an den Wänden der Cafeteria hängen Ausschnittsvergrößerungen der Exponate mit interessanten Details.
Die Toiletten sind gut erreichbar und mit ihrer modernen Ausstattung sehenswert. Das Aufsichtspersonal ist zurückhaltend und sachkundig.


Informationen vor Ort

Es ist vielleicht die Folge des Konzeptes des Bucerius-Kunstforums, daß der Besucher hier tatsächlich verknüpfende Informationen und übergreifende Hinweise bekommt. Die Ausstellung ist chronologisch aufgebaut, und die Bilder sind nach Epochen zusammengefaßt, die jeweils mit ausführlicheren Wandtexten erläutert werden. Auf den Tafeln finden sich viele Informationen, die der Audio-Führer (+2,00 Euro) bietet. Warum können das nicht andere Häuser auch?! Vorbildlich sind die vielfältigen Verknüpfungen mit anderen Exponaten. In anderen Ausstellungen und Museen für gewöhnlich schmerzlich vermißt sind die Hinweise zur Ikonografie der Malerei. Die Tafeln sind zwar nur auf deutsch, auswärtige Besucher erhalten aber an der Kasse ein Heft mit allen Texten auch in englischen Sprache. Das ist fair und erstart ihnen manchen "Diener" vor den Beschriftungen . Ausdrücklich empfehle ich allen Besuchern diese Lektüre zur Vorbereitung und beim Besuch der Ausstellung. Es handelt sich um Handreichungen für Lehrer, aber warum sollen Sie als interessierter Nicht-Pädagoge von diesen Informationen nicht profitieren?!
Der Audio-Führer ist auch in einer englischen Version erhältlich.
Der Katalog liegt auf mehreren Leseplätzen neben der Cafeteria aus und kann ungestört durchstöbert werden.


Informationen zum Mitnehmen

Ja, das Fotografieren ist gestattet, der Katalog (auch übers Internet zu bestellen) widersteht der Versuchung, dickleibig zu werden. bei der ersten Durchsicht zeigen die Aufsätze unter interessanten Fragestellungen lesenswerte Ausarbeitungen zu den Themen.

Die Homepage ist abgesehen von der gewöhnungsbedrürftigen horizontalen Präsentation geradezu ein Vorbild. Der Besucher findet Bilder und Texte zu einigen ausgewählten Exponaten der aktuellen Ausstellung und - sehr nützlich und viel zu selten gesehen - ein Archiv mit den Internetseiten der vergangenen Ausstellungen. Den Audio-Führer kann man als MP3-Datei (ziemlich) kostenpflichtig online erwerben. Und die Handreichungen für Lehrer, die auf der Homepage des Bucerius-Kunstforums angeboten werden, sind auch für für den "normalen", interessierten Besucher sehr informativ. Eine Lektüre vor dem Besuch ist darum empfehlenswert! Es ist schwer zu verstehen, warum nicht ein paar der dort wiedergegebenen Grafiken mit den Erklärungen als Wandbild, und sei es auf dem Weg vom Erdgeschoß zur Ausstellungsfläche im Untergeschoß, allen Besuchern angeboten werden!


Lohnt sich der Besuch?

Ja. Schon weil der Ansatz spannend ist, ein einziges Thema über die Jahrhunderte zu präsentieren. Hinzu kommt, daß die Ausstellung hochwertige Leihgaben zeigt, die nur sehr selten auf Reisen gehen.
Und der Veranstalter macht Ihnen den Besuch leicht: montags gibt's einen günstigen Sonderpreis, donnerstags ist bis 21:00 geöffnet. Viele Informationen des Audio-Führers sind zwar auch auf den Tafeln zu den Exponaten nachzulesen, aber die 2,00 Euro sind dennoch gut angelegt und mit Gewinn gehört.


Randnotizen

Dieser Bericht entstand am 12. Februar 2008. Verfasser ist Matthias Rojahn. Er hat eine eigene Homepage.