Völkerkundemuseum Hamburg
Sonderausstellung Macht im Tod

Die Terrakotta-Armee des ersten Kaisers von Chinas

25. November 2007 - (30. September 2008)
Die Ausstellung wurde bereits am 12. Dezember 2007 geschlossen, weil die Ausstellungsgesellschaft CCAC keine Originale, sondern Repliken geliefert hatte.

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"Originale sind es jedenfalls nicht."
Update 12. Dezember 2007

Bei der Vorbereitung zu dieser Seite mußte bei der Information zur Homepage des Veranstalters eine Entscheidung getroffen werden. Wir entschieden uns, die Homepage des Völkerkundemuseums in Hamburg anzugeben.

Leipziger CCAC verursacht Krimi um China-Krieger

Möglich wäre auch die Homepage des Ausrichters der Ausstellung, der Leipziger Ausstellungsgesellschaft Chinese Arts and Culture (CCAC) in Markkleeberg, für deren Domain ccac-net die Qin Terrakotta Ausstellungs GmbH verantwortlich ist. Diese Firma wurde einst von einem Roland Freyer, nach anderen Information von dessen Ehefrau mitgegründet. Aus Gründen, die nicht sicher zu benennen waren, arbeitete die Firma bald ohne die Freyers. Einvernehmlich scheint diese Tennung nicht abgelaufen zu sein, da die GmbH und Roland Freyer mit Hingabe juristische Händel um die Echtheit und Verwendung der Tonkrieger in Sonderausstellungen deutscher Museen ausfechten Nach vorliegenden Informationen wurden diese Händel allesamt von der GmbH gewonnen.

So zog die Qin Terrakotta Ausstellungs GmbH oder CCAC mit ihren Tonkriegern von Ort zu Ort und kam auch nach Hamburg. Hier mietete man im renomierten Museum für Völkerkunde ein paar Quadratmeter Fläche an und richtete sehr zum Ärger von Roland Freyer gegen eine Beteiligung an den Eintrittspreisen die bewährte Ausstellung unter dem Titel Macht im Tod ein. In Abwandlung dieses Titels zeigte Roland Freyer, daß er Macht nach der Trennung besaß und petzte, daß die Originale in der Ausstellung bestenfalls orginell, aber nicht original seien. Die angeblichen Exklusiv-Partner in China wissen plötzlich nichts von einer Ausstellung in Deutschland, und das Völkerkundemuseum in Hamburg steht in diesem Terrakotta-Krimi und Museums-Skandal als der Blamierte da.

Aber wohl nicht nur das Museum: es kann den Kundigen und Verantwortlichen in China nicht verborgen geblieben sein, daß im Vorfeld der Ausstellung bundesweit böse Vorwürfe an die Adresse der zuständigen Provinzregierung in China gerichtet wurden, weil diese angeblich die Ausfuhrgenehmigung für die Krieger wegen der gastlichen Aufnahme des Dalai Lama im Bundeskanzleramt kurzfristig verweigert hätte. In Hamburg gibt es eine rührige chinesische Gemeinde und einen engagiertten chinesischen Konsul, der sogar zur Eröffnung erschien. Und keiner der Verantwortlichen in China will von der Ausstellung mit ihren behaupteten Originalen gewußt haben?! Es muß einer Menge Menschen in China völlig egal sein, ob irgendwo in der Welt Terrakotta-Krieger ausgestellt werden oder wie authentisch diese sind. Made in China sind ja vermutlich sicher und eine gute Kopie gilt in China mehr als ein schlechtes Original: lieber gut geklaut als selber schlecht erfunden.

So hat der interessierte Zeitzeuge in diesem Zusammenhang erfahren, daß man Repliken in Originalgröße direkt vom Erzeuger in China für 150,00 Euro zuzüglich Versand erwerben kann. Mit Echtheitszertifikat kostet es 150,00 Euro mehr. Das ist ein echtes Schnäppchen für den ultimativen Hingucker im Vorgarten.

Authentisch, original, scheißegal

Jenseits aller Aufregung sei hier festgehalten: die Originale waren seinerzeit konfektionierte und industriell gefertigte Massenware. Die Ausstellung selber wäre nicht informativer, wenn die Terrakotta-Krieger und Grabbeilagen wirklich 2.200 Jahre alt wären: sparen Sie sich also den Weg nach London, wo derzeit eine offiziell lizensierte Ausstellung der Tonkrieger (Made in China) über die Bühne geht und schauen sich die zweifelhaften Krieger (Made in China) in Hamburg an. Wo kann man sich schon vom Odem alter Gechichte umwehen lassen und dabei auch noch einen leibhaftigen Museumsskandal, Keramik-Krimi und ein Intriganten-Stadl nach "Dallas"-Manier erleben? Ein lesenswerter Beitrag zu diesem Thema ist gerade in der Online-Ausgabe der Zeit zu lesen.

Der Direktor des Völkerkundemuseums, Prof. Dr. Wulf Köpke, bewertet die Lage nach Informationen des Hamburger Abendblattes und in einem Interview mit dem NDR-Fdernsehen vom 11. Dezember ganz entspannt. Ihm seien von der CCAC ohnehin keine Originale, sondern "aus Scherben zusammengesetzte authentische Figuren" zugesichert worden. Über den Anteil von Originalscherben stand wohl nichts im Vertrag, sonst hätte Wulf Köpke nicht die Aussage nachgeschoben, daß man angesichts dieser Vertragslage nur über den Grad der Echtheit streiten könne. "Wenn da 'authentische Figuren, die aus Scherben zusammengesetzt sind' steht, wŁrde ich 'authentisch' so interpretieren, dass es Originale sind." Mit Verlaub, Herr Direktor, da haben Sie Ihren Besuchern wissentlich ein paar wichtige Informationen vorenthalten. Und wenn es jetzt Häme, Spott und Prügel setzt, hält sich das Mitleid des Betrachters in Grenzen. Oder würden Sie die Frauenkirche in Dresden auch als Orginal bezeichnen?

Authentisch oder Echt

Wenig später (am Dienstag, den 11. Dezember 2007) hatte der Sprecher der Ausstellungsfirma Center of Chinese Arts and Culture (CCAC), Yolna Grimm, in den Tagesthemen der ARD seinen Auftritt: "Zunšchst muss man sagen, dass das Material Ton in der damaligen Zeit verwendet wurde. Dann kann man sagen, daß diese Figuren lebensgroŖ wie die Originale in Xian sind. ... Originale sind es jedenfalls nicht." Vielmehr handele es sich um "authentische Scherben-Figuren aus Originalmaterial, also Ton". So gesehen kann man sich ja freuen, daß die CCAC keine zerdepperten Gartenzwerge zusammengeklebt und geliefert hat. Wenn dieser Passus wirklich so im Vertrag zwischen dem Museum und dem CCAC steht, darf sich der Direktor des Völkerkundemuseums über kritische Fragen nicht wundern und die CCAC kommt aus der Betrugsfalle nur heraus, wenn sich der Ton der Terrakotta-Krieger in Hamburg sich nicht von dem Ton der Originale in China unterscheidet. Ich wette die ENTER-Taste meiner Tastatur darauf, daß es Labors gibt, die auf den Meter genau feststellen können, aus welcher Tongrube der verwendete Ton stammt, und ob er morgens oder abends in den Ofen geschoben wurde. In dieser Geschichte hat augenscheinlich ein ebenso kenntnisarmer wie skrupelloser Roßtäuscher und Trickdieb einen gleichermaßen leichtgläubigen wie unkritischen Direktor als Opfer als Opfer ausgesucht. Beide haben einen erbarmungsswürdig schlechten Krimi vorgeführt. Die Schließung der Ausstellung ist nicht die richtige Antwort, denn sie sähe mit Originalen nicht anders aus.

Fronarbeit für die Ewigkeit

Schon lange bevor die Ausstellung Macht im Tod, die Terrakotta-Armee des ersten Kaisers von China im Museum für Völkerkunde in Hamburg eröffnet werden konnte, standen die Tatsache und die Umstände der Ausstellung im Brennpunkt der öffentlichen Diskussion. Die Leihgeber in China zogen die Ausfahrerlaubnis für die wichtigsten Exponate, die 8 Original-Terrakotta-Krieger, zurück. Die Machthaber in China fühlten sich ertappt und ihre völkerrechtswidrige Okkupation von Tibet an die Öffentlichkeit gezerrt, als Tenzin Gyatso, als aktueller Dalai Lama das geistige Oberhaupt der Tibeter zu einem Besuch in das Bundeskanzeleramt eingeladen wurde. Mit dem Exportstop haben die Chinesischen Leihgeber nicht nur bestehende Verträge gebrochen (sehr ungewöhnlich!) und das Hamburgische Museum für etwas gestraft, was dort wirklich niemand verantwortet, sondern die verschnupfte Reaktion offenbarte auch das Eingeständnis, in Tibet unsagbares Unrecht auf die roten Fahnen geschmiert zu haben. Die chinesischen PR-Agenten müssen noch viel lernen, um solche Kommunikationspannen in Zukunft zu verhindern.
Auch wenn niemand einen Zusammenhang bestätigen wollte, ist ein Aushang am Eingang des Museums bemerkenswert, in dem das Ende einer Ausstellung zum tibetanischen Buddhismus angekündigt wird, und zwar genau zu dem Zeitpunkt, zu dem die Terrakotta-Soldaten in die Schützengräben einrücken. Nach dem Abzug der Armee gibt es übrigens im Herbst 2008 wieder eine Ausstellung zu diesem Thema. Ein Schelm, wer Arges dabei denkt.

Das Mausoleum von QŪn ShihuŠngdž,
Erster Kaiser von China

Es ist sonderbar, daß Menschen, die seit Jahrzehnten in demokratischen und aufgeklärten Zeiten leben, so verzückt auf Relikte totalitärer und absolutistischer Herrschaft reagieren. Ob Schloß Neuschwanstein, Tutenchamuns Grabbeigaben oder jetzt die Tonkrieger des ersten Kaisers von Chinas: öffentliche Aufmerksamkeit ist garantiert. Die Terrakotta-Armee war Bestandteil eines gigantischen Grabmals, mit dessen Bau begonnen wurde, nachdem QŪn ShihuŠngdž um 246 v. Chr. im zarten Alter von 13 Jahren den Thron bestieg. Zugleich begann er seine Nachbarn erfolgreich mit Kriegen zu überziehen und seine Untertanen mit drakonischen Mitteln zu unterdrücken und zu überwachen. Man sieht, daß diese Praktiken die Zeiten auch und gerade in China ungebrochen überbauert haben und mittlerweile sogar zu einem Exportartikel geworden sind. Bis zu 700.000 Menschen waren am Bau der Riesenanlage in der heutigen Provinz Xian beteiligt, die nach ihrer Zerstörung im Jahre 210 v. Chr. rund 2.184 Jahre in Vergessenheit geriet. Das Mausoleum, von QŪn ShihuŠngdž in aller Bescheidenheit auf mindestens 10.000 Jahre ausgelegt, wurde erst 1974 bei Brunnenausschachtungen in der Provinz Xian wiederentdeckt. Anders als in anderen Teilen der Welt wurde dieser Jahrhundertfund nicht von goldgierigen Lohn- und Raubgräbern ausgeschlachtet, sondern sogleich an die Hand sachkundiger und behutsamer staatlicher Archäologen gegeben. Andere Bauwerke, die Qui Shihuangdi initierte haben die Zeiten spektakulärer überdauert: zum Beispiel die Chinesische Mauer, die auch bis in die heutige Zeit kopiert wurde (Berliner Mauer) und wird (Mauerbau Israels auf palistinänsischem Gebiet). Übrigens haben alle Mauerbauer verloren.

Darum wurde das Mausoleum bisher auch nur zu einem Bruchteil ausgegraben. Auf dem Gebiet des 2.000m x 900m Mausoleums ist gerade mal eine (mittlerweile überdachte) Fläche von 200m x 70m freigelegt worden. Mit Recht erwarten die chinesischen Archäologen für die Zukunft bessere Methoden des Auffindens, Freilegens und Konservieren der Funde. So waren anfangs die prächtigen Farbaufträge der Figuren an der Luft zerfallen. Forschungsergebnisse deutscher Chemiker und Archäologen konnten den Zerfall stoppen und die Bemalungen stabilisieren.
Aktuell sind Teile zweier Gruben mit zusammen und 1.400 Tonkriegern freigelegt und zugänglich, die in Kampfformation mit Waffen, Pferd und Wagen über ihren verblichenen Schinder wachen. Die oft berichtete Gesamtzahl von 7.000 Kriegern ist eine Hochrechnung aus der Figurendichte im freigelegten Teil der Gruben.

In einer weiteren Grube legten die Archäologen unter anderem zwei Modelle von Reisewagen frei. Die beiden Gespanne in etwa halber Lebensgröße sind äußerst aufwendig hergestellt. Sie dürfen China genauso wenig verlassen wie die Totenmaske von Tutenchamun Ägypten. Auch ein Nachbau erreichte die Hamburger Ausstellung nicht, sondern nur ein Modell. Die Gespanne sind ein Beweis für den Entwicklungsstand der chinesischen Metallverarbeitung: die Gespanne sind mit zahlreichen Silber- und Goldelementen verziert. Der erste Kaiser sparte nicht mit Prunk: 1.720 Schmuckstücke waren an einem Wagen befestigt, die aus 3.033 Gramm Gold und 4.342 Gramm Silber hergestellt wurden.

Untersuchungen ergaben, dass die Herstellung Arbeitsverfahren wie Gießen, Löten, Nieten, Einlegen, Schnitzen, Stanzen, Feilen und Schleifen erforderte. An den Wagen wurden Anschlußtechniken wie Druckknopfanschluß und Gelenkanschluß angewandt. Bei jedem Verfahren wurde eine sehr hohe Perfektion erreicht. Der Zaum ist zum Beispiel aus abwechselnd silbernen und goldenen Röhrchen durch Löten zusammengesetzt, am Zaum jedoch ist kaum eine Lötnaht zu erkennen. Die Zügel, bei denen die Gelenkanschlußtechnik angewandt wurde, sind noch heute beweglich. Die meisten Bauteile wurden im Gußverfahren hergestellt, das am deutlichsten den damaligen technischen Stand aufzeigt. Bei dem Schirm, der als Wagendeckel dient, sind die dünnsten Partien nur 2 Millimeter, die dicksten Partien nur 4 Millimeter dick. Die Zusammensetzung der Legierung ist fast dem heutigen Standard entsprechend. Durch Regulation des Gehaltes von Kupfer, Zinn und Blei wurden Bronzebauteile mit verschiedenen Härten erreicht.

Die Ausstellung

Im Zentrum stehen natürlich die 8 originalen Ton-Krieger, die wegen der verzögerten Exportgenehmiging den gebuchten Flieger verpaßten und darum auf dem Schiffsweg den Weg nach Hamburg fanden. Daneben gibt es je ein Modell und eine Nachbildung der freigelegten Grube. Die Figuren der Nachbildung haben nicht ganz die Größe der Originale, geben aber einen guten Eindruck über aktuellen Ausgrabungsstand. Eine Licht- und Tonschau liefert (nur auf deutsch) einen guten Einblick in die Entstehung des Mausoleums.
Vor dem Modell befinden sich zwei lebensgroße Nachbildungen von Pferden, die zur Terrakotta-Armee gehören. Zweisprachige Texte liefern eine knappe Übersicht über die Regierungszeit und -erfolge des ersten Kaisers von Chinas. So gibt es Originale von Schwertern, Münzen und zeitgenössischen Gebrauchsgegenständen.

Zeitgenossen

Um die Leistungen der einerzeitigen Handwerker richtig einschätzen zu können, ist es zweckmäßig, einen Blick auf andere Teile der Welt in der Zeit von 200 v. Chr, zu werfen. Es war zum Beispiel die Zeit, in der Rom mit blutigen Händeln (Punische Kriege) mit Karthago verwickelt war. Von der Eleganz, Kunstfertigkeit und Vollkommenheit der Bronzewerkstücke, sowie der Perfektion der Ablaufplanung, wie wir sie im Mausoleum des ersten Kaiers von Chinas dokumentiert finden, waren die Römer seinerzeit nicht nur weit entfernt, sie sollten sie auch nie erreichen. Der Entwicklungstand der Metallurgie zeigte sich in Europa erst im 18. Jahrhundert.