Kochbuch

Rezepte, Tips und Handreichungen für gute Ausstellungen

Eigentlich ist es ganz einfach, aus einer Ansammlung hübscher Bilder, seltener Artefakte und versunkener Schätze eine sehenswerte und informative Ausstellung zu machen. Wie das geht, lesen Sie hier. Diese Seite wendet sich gleichermaßen an die Besucher von Ausstellungen als Hilfestellung für ihren Ausstellungs-Bericht wie natürlich an den Ausrichter einer Ausstellung.

Kriterien für Berichte Wenn Sie über eine Ausstellung berichten möchten, finden Sie hier ein Gerüst, an hand dessen Sie Ihre Eindrücke notieren und den Besuchern dieser Seite zur Verfügung stellen können.Die einzelnen Kriterien beschreiben alle Aspekte, die dem Leser eine zuverlässige Orientierung geben, ob sich der Besuch einer Ausstellung lohnt.

Kochbuch für Ausstellungsmacher Wenn Sie gerade eine Ausstellung planen oder eine bestehende Sammlung neu gestalten wollen, finden Sie hier einen ebenso einfachen wie wirkungsvollen Leitfaden, wie Sie das erfolgreich anstellen. Erfolg hat Ihre Ausstellung, wenn sie die Besucher gleichermaßen unterhält wie informiert. Drucken Sie sich die Seite aus und gehen damit einmal unvoreingenommen durch Ihre Ausstellung. Die einzelnen Kriterien sind so eine wirksame Prüfliste, ob sich seine Ausstellung an Besucher orientiert oder an ihm vorbei konzipiert ist.

Ganz am Rande: ich besuche vergleichsweise viele Ausstellungen zu verschiedensten Themen an den unterschiedlichsten Orten. Aber in den vergangenen 5 Jahren nach geschätzten 100 Ausstellungen bin ich nie um ein Feedback gebeten worden: "Wie fanden Sie die Ausstellung? Was haben Sie vemißt?, Waren Sie mit den gebotenen Informationen zufrieden? Was können wir beim nächsten mal besser machen?

Gibt es ein bessers Zeichen für die völlige Ignoranz der Ausstellungsmacher?!

Öffnungszeiten

Eine Ausstellung darf es den Besuchern nicht zu schwer machen, sie zu besuchen. Obgleich das ein Allgemeinplatz ist, auf dem alle Veranstalter gern Platz nehmen, erleben Besucher und Touristen immer wieder Enttäuschungen, weil die gewünschte Ausstellung eben nicht erreichbar, sondern geschlossen ist.

Touristen sind täglich und übers ganze Jahr unterwegs, Museen und Ausstellungen nehmen sich in der Regel mindestens einen Tag Auszeit. Für Anwohner ist das noch zu verschmerzen - sie können ja anderntags wiederkommen - Touristen haben oft engere Zeitfenster: bei der durchschnittlichen Dauer von Städtereisen bekommt eine montags geschlossene Ausstellung bei den Besuchern keine zweite Chance.

Während Anbieter von publikumsorientierten Dienstleistungen sich schon im wirtschaftlichen Interesse nach dem Besucher richten, erwarten die Museen im Normalfall, daß sich der Besucher nach dem Anbieter richtet. Die staatlich aus dem Steuersäckel subventierten Häuser sind hier wahre Gralshüter der Arroganz.

    Pluspunkte kann eine Ausstellung für Öffnungszeiten sammeln, wenn
  • sie auch in den Abendstunden geöffnet hat
  • oder ein Herz für Frühaufsteher hat

Eine Ausstellung erhält dann für die Kategorie Öffnungszeiten die volle Punktzahl, wenn sie übers ganze Jahr täglich mindestens in der Zeit von 10:00-18:00 geöffnet hat, Heiligabend mal ausgenommen :-)

    Punktabzüge gibt es entsprechend wenn die Ausstellung
  • "Ferien" macht, indem sie über viele Tage am Stück geschlossen hat *,
  • nicht täglich geöffnet hat
  • während der Öffnungszeiten nicht kontinuierlich zugänglich ist.

* Das betrifft natürlich nur Dauerausstellungen ;-)

nach oben


Leitsystem

Unter dieser etwas technisch-sperrigen Überschrift geht es um die Fragen: wie kommt der Besucher in die Ausstellung, wie findet er hindurch und wie wieder heraus. Diese Fragen bedürfen naturgemäß nur in größeren Ausstellungshäusern einer zufriedenstellenden Antwort. Aber auch kleinere Häuser sollten sich schon die Frage vorlegen: "Was will ich dem Besucher in welcher Reihenfolge zeigen, und wie stelle ich das an, ohne ihn zu zwingen?"

Im Idealfall ist der Besuch einer Ausstellung auch ohne Führung möglich. Der Besucher findet eine Wegweisung vor, die ihn so durch die Ausstellung führt, daß sich ihm eine (hoffentlich !) vorhandene Ausstellungslogik erschließt. Unterwegs führen zahlreiche Wegweiser den Besucher zurück, wenn er eignen Interessen folgte.

Besonders bei stark frequentierten Ausstellungen muß der Veranstalter eine gute Antwort auf die Frage finden: "Wie regel ich den Besucherandrang?!" Unvergessen sind die Warteschlangen seinerzeit bei der Tutenchamun-Ausstellung in Hamburg oder Jahre später zum MoMa-Gastspiel in Berlin.

Wenn der Besucher dann tatsächlich die Ausstellung betreten hat, erwartet er Auskunft auf die Frage: "Wo geht's lang? Wie komme ich zu diesem oder jenem Exponat? Was gibt es hier zu sehen" In vielen Ausstellungen habe ich die Erfahrung gemacht, daß die Aussteller den Besucher kaum darüber aufklären, welcher Logik die Ausstellung folgt. Halten Sie als Aussteller nicht hinterm Berg mit Ihren Absichten bei der Planung und der Verteilung. Verraten Sie dem Besucher, warum sie die Ausstellungsobjekte so und nicht anders verteilt haben. Schließlich sind Sie derjenige mit dem Wissensvorspriung. Lassen Sie den Besucher an Ihren Überlegungen teilhaben. Ausstellungen sind oft das Ergebnis einer großen Menge Hirnschmalz und viel Sachverstand. Kaum ein Haus, das sich nicht seines wissenschaftlichen Unterbaus rühmt. Warum merkt der Besucher davon nichts?

Warum erfahren die Besucher nicht, ob die Bilder danach sortiert werden, wann sie entstanden, wer sie gemalt hat, was sie darstellen, wem sie gehör(t)en oder nach Größe und Farbe? Warum steht am Türrahmen zu einem Raum nur "Italienische Gemälde 15. Jahrhundert" statt einer kleinen Liste, welche Künstler dort ausgestellt werden (angesehen davon, daß es Italien im 15. Jahrhundert als Kennzeichnung eines einheitlichen Staates gar nicht gab? Mehr zu diesem Thema bei dem Punkt Informationen vor Ort

In großen Häusern fehlt es buchstäblich an Wegweisern durch die Sammlung. Der Besucher bleibt so im Unklaren, an welchem Punkt der Ausstellung er sich befindet und auf welchem Weg er weitere Abteilungen, den Ausgang, Toiletten oder die Cafeteria erreicht.

Ach ja, liebe Ausstellungsgestalter: zögern Sie nicht, international übliche Piktogramme zu verwenden. Im frisch eröffneten Bode-Museum traf ich einen Besucher aus Frankreich, der mit dem Hinweis "Ausgang" nicht "Sortir" verband. Und aus der Eremitage fand ich auch nur heraus, weil ich die Zeichen für Ausgang in meinem Fremdenführer fand. Liebe Ausstellungsmacher: es gibt trotz aller Widrigkeiten, über die noch zu reden sein wird, ausländische Gäste unter Ihren Besuchern, freuen Sie darüber, aber geben Sie ihnen trotzdem eine Chance, nach Hause zu kommen.

    Pluspunkte beim Leitsystem gibt es entsprechend, wenn die Ausstellung
  • ihr Angebot transparent darbietet,
  • den Zugriff auf die Objekte sowohl strukturiert in Form eines beschilderten Rundweg oder wahlfrei mit aussagefähigen Wegweisungen ermöglicht,
  • im Fall des Falles Wartende über die Dauer bis zum Einlass informiert.
    Punktabzüge gibt es entsprechend, wenn die Ausstellung
  • nur mit einer (womöglich extra zu bezahlenden) Führung zugänglich ist,
  • die Besucher über die Ausstellungslogik im Unklaren läßt,
  • keine kostenfreie Raumpläne zur Verfügung stellt.

nach oben


Präsentation

Licht Es ist mir schon passiert, daß ich erst auf der Heimreise von einer Ausstellung im Katalog gesehen habe, welche Bilder ausgestellt waren. Ursache waren die hippen Spot-Strahler. Das grelle Licht verursachte auf den - aus leider gut nachvollziehbaren Gründen mit Sicherheitsglas geschützten - Bildoberflächen grausige Reflexe, die leider das Bild unkenntlich werden ließen. Spots sind zum Beleuchten von Bildern die denkbar schlechteste Wahl. Wenn Sie also eine Ausstellung ins rechte Licht rücken wollen, schmeißen Sie als erstes mal alle Spots auf den Müll - oder führen sie politisch korrekt einer geordneten Entsorgung zu: bunt angemalt, mit Margarine überschüttet und auf einen Platik-Klotz montiert haben sie vielleicht Chancen auf einen Platz im Museum für moderne Kunst ;-)

Im Ernst: Schon eine Deckenleuchte, die der Gesetzgeber im Büro für blendfreies und ermüdungsfreies Arbeiten vorschreibt, ist besser geeignet als Spots mit ihren Lichtkegeln. Was lernen wir daraus: Schreibtischtäter haben eine bessere Lobby als Ausstellungsbesucher.

Auch Tageslicht vergällt dem Besucher zuweilen den Genuß. Leider kommt es nur selten durch Dachfenster von oben, sondern scheint durch die Wandfenster frontal auf die Bilder. Das Ergebnis sind oft noch fiesere Refexionen als durch irregeleitete Spots. Fast immer ist es eine gute Idee, bei Sonnenschein die Museen und Ausstellungshallen zu meiden und statt dessen Stadt und Land zu Fuß oder per Stadtrundfahrt zu erkunden.

Schrift Was macht der durchschnittliche Besucher, wenn er auf Bild zugeht: Er macht eine tiefe Verbeugung. Nein, es handelt sich nicht um einen Besucher aus Japan (dazu später mehr) oder einen besonderen Fan des Künstlers! Nein, der Besucher kann nur das verwarzte kleine Schildchen nicht lesen, von dem er Aufklärung erhofft, um was es sich bei dem Bild handelt! Gelingt es ihm, die 8-Punkt-Schrift zu entziffern, hat er schon mal viel Glück. In vielen Fällen bleibt die Benennung des Ausstellungsobjektes so gut wie unsichtbar. So werden die Informationen gerne mit weißer Schrift auf durchsichtige Acryl-Platten notiert. Ärgerlich, wenn das Schild am unteren Rahmen eines Bildes geschraubt ist, das in 3,5 Meter Höhe hängt. Aber auch Ausstellungsobjekte auf Augenhöhe bleiben manchmal anonym, weil der vorgeschriebene Mindestabstand ein Entziffern des Schildes verhindert, oder - der Besucher fühlt sich nicht zu Unrecht geleimt - es schlicht gar nicht nicht benannt ist oder nur den Hinweis auf einen Audio-Guide, der dann in manchen Fällen nach Eintippen der Nummer stumm bleibt, weil kein Text hinterlegt ist!

Liebe Ausrichter einer Ausstellung: Lassen Sie den Besucher Ihrer Ausstellung nicht dumm sterben. Enthalten Sie ihm nicht die Informationen vor, die er vom Besuch Ihrer Ausstellung erwarten darf! Was spricht dagegen, die Ausstellungsobjekte so auszuzeichnen, daß man die Informationen ohne Verrenkungen und Hilfsmittel lesen kann? Was spricht dagegen, alle Objekte zu benennen? Der Unterschied zwischen verschrammten Glasmurmeln und dem mittelalterlichen Schmuck einer englischen Königin ist nicht selbsterklärend.

Vom Lesen und Hören Es gibt noch einen Tipp, liebe Ausstellungsgestalter, der Ihnen zufriedene Besucher beschert. Berücksichtigen Sie, daß die meisten Ihrer Besucher leidlich lesen können. Ein Audio-Guide ist ganz nett, aber er ersetzt keine geschriebene Erläuterung am Objekt: Lesen kann man schneller als hören, Passagen wiederholen oder überspringen und vor allem: besser behalten: Lesend lernt man mehr: 70% seiner Information gelangen über das Auge ins Hirn! Diese Erkenntnis wird in allen Einführungsseminaren zur Pädagogik und Werbetechnik vermittelt (Schon mal bemerkt, daß Sie der Werbebotschaft imFernsehen nicht entkommen, wenn Sie den Ton abstellen ;-) ). Fangen die Ausrichter von Ausstellungen immer gleich mit dem zweitenSemester an?

Also: bitte merken: Gönnen Sie Ihren Besuchern einen Erkenntnisgewinn beim Besuch Ihrer Ausstellung! Schreiben Sie auf, was Sie für das Objekt für wichtig erachten und hängen den Text gut lesbar neben das Bild! Der Aufwand geht gegen Null und die Zufriedenheit der Besucher steigt mehr als durch die Bereitstellung einer multimedialen Konsole.

Die Lüge von der Globalisierung Wer eines Beweises bedürfte, daß die Globalisierung eine Propagandalüge zur Rechtfertigung von Lohndrückerei und zum Abbau von bürgerlichen Grundrechten ist, wird in Museen und Ausstellungen fündig: wenn es ausländische Besucher in die Ausstellungshäuse gäbe, würde man das doch wohl bei der Beschriftung gebührend berücksichtigen, oder?

In Ausstellungen hat es den Anschein, als ob grenzüberschreitender Besucherverkehr nicht stattfindet.

Gut, es gibt hier und da fremdsprachige Führungen und englische Audio-Guides. Aber sonst? Dänische Texte in Flensburg und Hamburg, französische, englische, polnische in Berlin, holländische Texte in Mülheim? Ist es fair, wenn Japaner, Chinesen, Franzosen nichts von dem Wissen aufnehmen dürfen, daß in der Ausstellung zusammengetragen ist? Die Frage stellen heißt, sie zu beantworten: Ausstellungen, die nicht in mindestens einer Fremdsprache beschriftet sind, gehören ins Museum - und zwar ins Magazin - ganz hinten im Keller!

    Pluspunkte für die Präsentation gibt es entsprechend, wenn die Ausstellung
  • blendfrei ausgeleuchtet ist,
  • soweit wie möglich von Tageslicht beleuchtet wird und/oder die Kunstbeleuchtung in etwa die Farbtemperatur von Tageslicht aufweist,
  • Die Objektbeschreibungen ohne Hilfsmittel und körperliche Anpassungshandlungen lesbar sind,
  • alle Objekte beschriftet
    Punktabzüge gibt es entsprechend, wenn die Ausstellung
  • nur, oder im wesentlichen in der jeweiligen Landessprache beschriftet ist,
  • nur mit kostenpflichtigem Katalog, Audio-Guide oder einer Führung vorgstellt wird.

nach oben


Komfort

Manchmal hat der Besucher einer Ausstellung das Gefühl, daß mit dem Lösen des Tickets das Interesse an seinem Wohlergehen seitens des Veranstalters erlahmt. Vergebens streift sein Blick durch die Säle auf der Suche nach einer Sitzmöglichkeit, um sich zu erholen oder Informationen zu einem Ausstellungsstück im Katalog nachzulesen. Ich entsinne mich an eine Rembrandt-Ausstellung im Frankfurter Städel-Museum, in der man nur auf der Treppe sitzend einen Blick in den Katalog werfen konnte (Dank an die Feuerpolizei!).

Schon eher finden ökonomischisches Interesses und Erholungsbedarf des Besuchers in der Cafeteria zusammen. Eine entsprechende Einkehrmöglichkeit soll zugänglich sein, ohne die Ausstellung verlassen zu müssen. Denn leider sind Tagestickets die große Ausnahme bei Ausstellungen. wer rausgeht, darf nicht mehr rein. Die Furcht vor Mißbrauch ist nachvollziehbar, aber mit einfachen Verfahren zu bewältigen. Ein Pluspunkt also für Ausstellungen, die dem Besucher einen Wiedereintritt gestatten, wenn er nach ein paar Stunden Museumsluft mal wieder die Sonne sehen möchte.

Ein weiteres gerne unterschätztes Komfort-Kriterieum ist das Aufsichtspersonal. Paßt es nur auf, daß der Besucher keine unerwünschten Handlungen vornimmt oder weiß es Antwort auf die Frage, wo dieses oder jene Ausstellungsobjekt oder das Klo ist? Aufsichtspersonal kann nett und freundlich oder auch garstig sein. Als Veranstalter stimmen Sie bitte Ihre Mitarbeiter darauf ein, daß der Gast zum einen als bezahlender Besucher dringend benötigtes Geld in die Kassen bringt und zum anderen - wenn man als staatlich subventioniertes Haus darauf nicht angewiesen ist -  als Besucherzahl die Bedeutung des Hauses bei der Etatberatung im nächsten Jahr positiv beeinflußt.

Gerne unterschätzt der Veranstalter die Bedeutung von Toiletten. Oft ist ihre Anzahl und Lage durch bauliche Gegebenheiten festgelegt, aber, liebe Veranstalter, sorgen Sie für erkennbare Ausschilderung, leichte Erreichbarkeit und ein Mindestmaß Reinlichkeit.

    Diese Merkmale geben Pluspunkte beim Komfort:
  • Sitz-- und Ruhe-Möglichkeiten in der Ausstellung
  • Ausreichende Beleuchtung
  • Cafeteria und Museums-Shop innerhalb der Ausstellung
  • Tagesticket zum Wiedereintritt
  • Kostenlose Garderobe und Taschenabgabe
  • Freundliches, kenntnisreiches Aufsichtsperonal
  • Sanitäre Einrichtungen auch für Gehbehinderte gut erreichbar

nach oben


Informationen vor Ort

Bei diesem Punkt geht es ans Eingemachte: welche Informationen erhält der Besucher über die Objekte? Hängen Gemälde in zeitlicher Reihenfolge leblos nebeneinander, oder findet der Besucher Informationen über die Ikonographie der Bilder, über geschichtliche Begebenheiten zur Entstehung der Bilder, Zeitgenossen, Weggefährten, Lehrer und Schüler der Künstler? Hier können die Ausstellungsmacher eigentlich in die Vollen greifen. Leider geschieht das oft nicht: Wie sieht die typische Beschriftung eines Gemäldes aus: Inventarnummer, Name und Lebensdaten des Künstlers, Entstehungszeit, manchmal die verwendeten Materialien, oft Besitzer oder Spender und gelegentlich ein Hinweis auf den Audio-Führer oder den Katalog (fehlt eigentlich nur noch eine Wertangabe). Wenn ein fremdsprachiger Besucher Glück hat, findet er diese Angaben dann auch in seiner Muttersprache. Sofern es sich dabei um Englisch handelt, ist das zunehmend häufiger der Fall. Speziell in Sonderausstellungen raffen sich Ausstellungsveranstalter auf, für einzelne Räume oder Abteilungen kurze, zuammenfassende Einführungstexte an eine Wand zu schreiben.

Das ist zwar üblich, reicht aber bestenfalls für zwei Punkte. Liebe Ausstellungsmacher: Fällt Euch zu den Bildern wirklich nicht mehr ein?

Bilder, Statuen, Schmuck und andere Relikte, die aus der Vergangenheit auf uns gekommen sind, entstanden nicht, um in einem Museum andachtsvoll angestarrt zu werden. Sie standen und stehen in einem gesellschaftlichen, geschichtlichen Zusammenhang. Warum, lieber Ausstellungsmacher, haben Sie sich entschieden, dieses Bild und nicht eines der Tausend anderen aus dem Magazin auszustellen? Als Veranstalter müssen Sie keine kulturhistorischen Proseminar-Arbeiten an die Wände pappen. Aber geben Sie den Besuchern die Gelegenheit, das Gesehene einzuordnen und sein Wissen um kulturelle und geschichtliche Zusammenhänge zu erweitern. Sie sind als Wissender in der Bringepflicht!

Beispiel "Sandro Botticelli, Florenz 1444/45 - 1510, 'Vier Szenen aus dem Leben des heiligen Zenobius' um 1500"

Fein, und? Wer war Zenobius? Was macht das Kind unter dem Wagen? Was ist in der Bett-Szene dargestellt? Wer war der Auftraggeber? Auf welchen Stationen kam das Bild in den Bestand der Galerie? Fragen über Fragen, auf die der Besucher keine Antwort erhält. Warum erfährt der Besucher nicht, daß Bottecelli als gefragter Portraitist an der Gestaltung der Sixtinischen Kapelle beteiligt war und auch noch Künstler des Jugendstils beeinflußt hat?

Völlige Fehlanzeige herrscht meistens beim Einordnen der Ausstellungsobjekte in ihren geschichtlichen Zusammenhang: Das Spannungsfeld von Reformation und Gegenreformation, um nur ein Beispiel zu nennen? Die Position der Künstler in diesem Geschehen? Luther und Kolumbus tauchen vielleicht hier und da als Bild auf, aber als Impulsgeber für künstlerische Entwicklungen? Nichts - Rubens malte scheinbar still auf einer Wolke künstlerischer Entrücktheit. Liebe Ausstellungsmacher: die beschriebene ahistorische Darbietung von Kunst ist in hohem Maße Geschichtsklitterung auf höchstem propagandistischem Niveau!

Das ganze Elend der Informationsdarreichung in Museen und Ausstellungen zeigt sich, wenn man die Internet-Auftritte der Veranstalter danach durchsucht, welches Ziel die Ausstellungen verfolgen, ob sie sich einem Auftrag verpflichtet fühlen, was der Besucher lernen kann. Nein, der Besucher ist Gast in einem Parallel-Universum, in dem er keine wirkliche Rolle spielt. Daran ändert sich qualitativ auch nichts durch die Aufmerksamkeit, mit der Kinder museal bespielt werden. Da zeigen sich oft pädagogisch hochwertige Ansätze, die den Besucher aber leider nicht ins Erwachsenenalter begleiten.

    Diese Merkmale geben Pluspunkte bei Informationen vor Ort:
  • Alle Ausstellungsobjekte sind mit den minimalen "technischen" Daten ausgezeichnet.
  • E gibt Hinweise auf Zeitgenossen des Künstlers.
  • Hinweise zur Ikonographie des Werkes
  • Hinweise zur Entstehungsgeschichte (Auftraggeber, Werkzeuge, Farbenm usw) des Werkes
  • Einordnung des Künstlers in seine Zeit, Bedeutung für nachfolgende Zeithenossen
  • Beleuchtung des (kultur-)historischen Zusammenhangs
    Punktabzüge gibt es entsprechend, wenn die Ausstellung
  • die Objekte nur mit Verweisen auf Katalog oder Audio-Guide ausgezeichnet sind.

nach oben


Informationen zum Mitnehmen

Keiner würde auf die Idee kommen, einem Besucher die Brille abzunehmen, weil er vielleicht mehr sehen könnte als der Ausstellungsmacher sich das gedacht hat. Aber wehe, der Besucher hat einen Fotoapparat! Dann fällt das Verdikt: Fotografieren verboten! Daß Blitze die Besucher stören und belästigen und Stative eine Unfallgefahr darstellen, sei unbestritten, entsprechende Einschränkungen ausdrücklich akzeptiert. Aber eine Begründung für das generelle Verbot von Fotos hat mir bisher noch kein Veranstalter geben können. Selbst das Urheberrecht - bei alten Meistern ohnehin nicht das Problem - bietet hier keinen rechten Hebel, da das Recht auf eine Privat-Kopie trotz aller Anfeindungen noch immer Bestand hat.

    Dabei gibt es viele Gründe für Bildkonserven:
  • Manche Bilder - besonders in der zweiten und dritten Reihe - sind ohne Teleobjektiv schlicht nicht zu erkennen,
  • Polfilter verringern Spiegelungen und Reflexionen,
  • engagierte Kunstlehrer (so was gibt's) nutzen die Aufnahmen für Unterrichtszwecke,
  • Besucher zeigen Freunden und Verwandte, was es zu sehen gab,
  • es macht einfach Spaß, eine Ausstellung Jahre Später gleichsam noch einmal zu durchwandern.

Also, liebe Ausstellungsmacher, gebt die Linse frei! Wer Ausstellungsobjekte fotografiert, zeigt vor allem großes Interesse und Respekt für Ihre Ausstellung: oder fotografieren Sie gerne Schrott und Müll? Und die Interessierten und Neugierigen werden auch dann Postkarten, Poster, Ausstellungskatolog und Kunstführer kaufen, wenn sie schon ein paar verwackelte und unscharfe Bilder auf dem Chip haben.

Zu den Informationen zum Mitnehmen zählen vor allem Kataloge. Auch hier gibt es bedeutende Qualitätsunterschiede. Reproduktionen können den Bildern mehr, aber auch weniger ähnlich sein. Manchmal fehlen wichtige Angaben. Gerne wird zum Beispiel die Größe von Bildern nicht angegeben. Dann ist ein 6m x 4m-Gemälde von einer Postkarte gar nicht mehr zu unterscheiden. Daneben darf der Besucher oder Käufer im Katalog die oben angemahnten Informationen erwarten. Der Katalog wird damit unhandlich, aber der Besuch findet seinen erhofften, informationsreichen Abschluß. Ideal ist es, wenn es zwei Versionen des Kataloges gibt, neben dem Dicken für den Info-Junkie auch eine abgespeckte Version mit weniger Informationen.

Perfekt wird das Informationsangebot, wenn der Katalog auch in einer Online-Version vorgehalten wird oder die Ausstellungsobjekte auf der Homepage vorgestellt und erklärt werden. Newsletter und ähnliches zählen im weitesten Sinne zu den Informationen zum Mitnehmen dazu und bringen Pluspunkte.

    Diese Merkmale geben Pluspunkte bei Informationen zum Mitnehmen:
  • Fotografieren erlaubt!
  • Die Reproduktionen im Katalog sind bildgetreu!
  • Der Katalog enthällt all die Informationen, die in der Ausstellung selber fehlen.
  • Der Katalog ist nicht nur vor Ort, sondern auch im allgemeinen Buchhandel erhältlich.
  • Der Katalog ist in unterschiedlichen Versionen erhältlich. Die Problematik der Fremdsprachen (s.o.) gilt hier natürlich auch
  • Für die Ausstellung gibt es ein leicht benutzbares, plattformunabhängiges Online-Angebot.

nach oben


Lohnt sich der Besuch?

Dieses ist sicherlich die subjektivste Kategorie. Wer erpicht ist, einem seit Jahren verschollenen Gemälde einmal persönlich nahe zu kommen, nimmt es vielleicht in Kauf, daß er stundenlang im Regen steht, vor dem Betreten einer Leibesvisitation unterzogen wird, um dann zu erleben, daß das Bild zum Schutz vor all zu neugierigen Blicken mit einem schwarzen Vorhang verhüllt ist. Ein anderer mag anders empfinden.

Auf der anderen Seite mag es ein Besucher von Schloß Neuschwanstein als Nepp empfinden, was er nach dem Warten und Schlangestehen während der Führung zu sehen und zu hören bekommt. Einem anderen gefällt's vielleicht, und er wäre unglücklich, diesen königlichen Bubentraum nicht betreten zu haben.

Hier können Sie als Besucher Ihre Meinung mitteilen, ob geweckte Erwartungen hinsichtlich der Anzahl und Qualität der ausgestellten Objekte erfüllt wurden.

Kurz: hier ist der Raum für den Berichterstatter, seinen Eindruck in einer Note zusammenzufassen und mit subjektiven, persönlichen Aussagen zu begründen. Nehmen Sie sich bitte die Zeit für eine Begründung. Aussagen, wie "Alles Mist" oder "riesig, toll" helfen nicht weiter. Danke

nach oben